Zum zweiten Mal Leica: Leica M3

Im März veröffentlichte ich bereits einen Artikel über meine ersten Erfahrungen mit einer Leica-Kamera. Speziell mit der Leica M6. Viele, so macht es den Anschein, haben den Artikel nicht in seiner daliegenden Form erfassen können. Es gab sogar jemanden, der den Artikel nicht lesen wollte, weil ich die Kamera auf dem Beitragsbild nicht „richtig“ halte. Es ist jedenfalls sehr merkwürdig, dass ein solcher „Aufschrei“ entfesselt wird, obwohl man nur offensichtliche Nachteile eines Systems benennt, die in ihrer Summe nicht mal für ein negatives Fazit meinerseits ausgereicht haben. Da scheint ein ganz besonderer Starrsinn zu existieren. Insgesamt können meine Erfahrungen nicht so schlecht gewesen sein, wenn ich mir dieses Jahr ein eigenes Leica-System angeschafft habe. Trotzdem vertrete ich immer noch die zutreffende Meinung, dass niemand eine Leica braucht.

Niemand braucht eine Leica – Kauft euch eine Leica!

Das System ist im direkten Vergleich mit anderen Kameras viel zu teuer und man macht damit natürlich auch keine besseren Fotos. Ich bin allerdings so unsagbar zufrieden mit der Handhabung meines neuen Geräts, dass ich quasi gar nicht mehr aufhören möchte zu fotografieren. Jedes Mal, wenn ich auslöse, freue ich mich auf das Transportieren des Films und das erneute Auslösen. Dadurch konnte meine Fotografie, einfach weil ich viel freier mit diesem Medium umgehe, auf ein weiteres Level gehoben werden. Natürlich ist mir klar, dass dieser Eindruck höchst subjektiver Natur ist. Das kann mit jeder Kamera passieren, die einem absolut zusagt. Für mich ist dieses Werkzeug ein deutlicher Gewinn um wieder aus dem sehr disziplinierten Trott ausbrechen zu können, den ich mir mit der Großformatfotografie angeeignet habe.

Die Leica M3 – Das Wesentliche in schöner Optik

Die Leica M3 ist eine Kamera, die auf Ihre Funktionen reduziert, gar nicht simpler sein kann. Als Purist ist das Balsam(!). Die M3 hat einen Verschluss, die Linse daran eine Blende und eine Kopplung zum Messucher, der ein Scharfstellen ermöglicht. Das war es auch schon. Damit darf der Fotograf noch Fotograf sein und kein IT-Spezialist an einem Computer oder mit einem elektronisch gesteuerten Roboter in der Hand. Diese Reduzierung befreit so ungemein, dass man voll und ganz in seine Motive eintauchen kann. Nichts leuchtet, nichts piept, nichts rasselt oder quietscht – nur ein charmantes, sauberes Klicken!

Die gesamte Konstruktion der Leica M3 gefällt mir um einiges besser als die der M6. Alles fühlt sich noch wertiger und leichtgängiger an. Da ich fast nur 50mm an Kleinbild verwende, ist der Sucher für mich absolut perfekt. Da stört mich nichts mehr. Ebenfalls kann so viel Streulicht auf das Messsuchersystem treffen, wie es will – Das Mischbildfenster überstrahlt nicht wie bei der M6.

Kein Belichtungsmesser – Kein Problem!

Für viele ist wahrscheinlich der einzige Wehrmustropfen der fehlende Belichtungsmesser, weswegen gerne zu moderneren M-Systemen gegriffen wird. Für Fotografen mit etwas Erfahrung ist das allerdings keine große Hürde. Meistens fotografiert man in Situationen, bei denen Sich das Licht über einen längeren Zeitraum nicht großartig ändert. Pauschale Werte für verschiedene Filme und Lichtsituationen hat man ohnehin im Kopf. Ansonsten misst man einfach vorher kurz extern. Aber auch unerfahrene Fotografen machen sich oft einfach viel zu viele Gedanken über die richtige Belichtung. Negativmaterial ist großzügig genug. Gezielt entwickelt kann man jedes einzelne Foto ohnehin nicht. Man sollte also keine Wissenschaft daraus machen. Einige große Publikationen der Vergangenheit, waren technisch teilweise mangelhafte Fotografien, die in der Dunkelkammer noch hervorragend ausgearbeitet werden konnten. Das heutige Material ist obendrein noch besser. Ich habe mal einige Negative gesehen, die im Buch „The Americans“ von Robert Frank veröffentlicht wurden. Einige waren schon ziemlich fehlbelichtet. Im Buch, eben durch die gute Ausarbeitung, sieht man davon nichts mehr. Ohnehin zählen im Allgemeinen eher die Motive und nicht die Technik. Also macht euch nicht immer so einen Stress.

Wenn man wirklich unsicher ist, kann man das System um einen Leicameter erweitern. Ich habe den MR-4 zu meiner M3 und kann sagen, dass dieses Gerät sehr gut funktioniert. Schnell, einfach und zuverlässig. Allerdings bin ich lieber etwas kompakter unterwegs und komme daher auch gerne ohne aus.

Der Fotograf macht das Bild – Eine passende Kamera kann aber helfen!

Für die Fotografie ist die Wahl der Ausrüstung ebenso wichtig, wie die Verarbeitung des Materials und Farbe des Kameragurts.

Nicht ist besser oder schlechter. Es kommt allein auf die Intention des Fotografen an. Fotografie ist mehr als ein scharfes Foto. Viel mehr. Niemals war ein Foto gut, nur weil es scharf war. Solche elementaren Dinge darf man einfach nicht vergessen, wenn es darum geht anspruchsvolle Fotografien zu erzeugen. Es sind die schier unendlichen Möglichkeiten, die dieses Medium erst so wertvoll machen.

Für mich gehören neben super feinen Großformaten nach Zonensystem auch trashig, körnige Aufnahmen mit allerhand Unschärfe, bei denen man den Film richtig gequält hat, einfach dazu. Beides kann atemberaubende Ergebnisse hervorbringen. Oft sind es doch die experimentellen Fotografien, die die meisten Emotionen in uns wecken und damit Gefühle bebildern, die wir nicht in Worte fassen können. Darum geht es doch letztendlich.

Ich bin jedenfalls sehr zufrieden mit der Leica. Sie bietet eine Funktionsweise, die mich total locker macht. Ebenso freue ich mich darauf mal wieder mit meiner Nikon F2 zu fotografieren. Vielleicht auch mal wieder ein paar Großformate? Ach – das kommt ganz auf das nächste Projekt an.

 

 

 

 

 

 

 

 

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