Weites Land - Ein Roadtrip an der Westküste der USA - Teil 3

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Exeter -> Ridgecrest -> Springdale -> Bryce Canyon -> Grand Canyon -> Las Vegas

 

 

05.08. Auf in die Wüste!

Von Exeter aus führte uns die Straße über Springville, und von da aus immer bergauf durch ein Tal. Die Straße an der Talwand verläuft in einiger Höhe am Fels entlang. Immer wieder boten sich tolle Ausblicke dar. Durch Teile des Sequia National Forest führt die Straße – und dann wieder herunter bis an den Lake Isabella.

Seqouia Nationa Forest // Wista 4×5 Field // Fuji Acros 100

 

Angekommen in Kernvile, oberhalb des Lake Isabella, hieß es erstmal tanken, und: Root-Beer! Root-Beer, was ist das?, fragen sich vielleicht einige. Das ist eine Art Limonade, die es anscheinend nur in den Staaten gibt – und so gar nichts mit Bier zu tun hat. Im ersten Moment schmeckt sie recht verstörend nach so einer Art Mundspülung (einer ekligen … keiner mit Minze). Wenn man sich aber daran gewöhnt und den Mundwasser-Gedanken in seinem Kopf abgeschaltet hat, ist das Zeugs aber ganz nice 😉 . Wir fuhren am See entlang und hielten in der Nähe der Staumauer, wo viele Wassersportler und Jetskifahrer unterwegs waren. Hier vertraten wir uns etwas die Füße, bevor es weiterging. Wir verließen jetzt den See und die Sierra Nevada. Kurz vor Ridgecrest machten wir das erste Mal Bekanntschaft mit der Wüste. Die Wüste! Im Auto ist das ja ganz lustig mit der Klimaanlage … Als wir dann beim Hotel in Ridgecrest die Fahrzeugtür öffneten und die 42°C warme Wüstenluft auf uns einprügelte, war schnell klar, dass es nur eine Option gab: Pool 🙂 – Am Abend gab es dann noch leckere BBQ Ribs bei Cassys BBQ – sehr zu empfehlen!, und “Half Rack” reicht durchaus, wenn man nicht gerade zwei Tage nichts gegessen hat.

06.08. Lebensfeindlich

Bald am Morgen, noch vor der großen Hitze, starteten wir zur längsten Fahrstrecke der gesamten Tour: bis zum Abend sollten wir 770km zurückgelegt haben. Zuerst ging es nach Norden bis Olancha, und dort dann weiter Richtung Osten auf der Route 190 bis zum Father Crowley Overlook. Der befindet sich bereits im Death Vally Nationalpark. Bereits hier war es ordentlich warm. Um die Weite irgendwie annähernd erfassen zu können, lud ich meine Horizon 202 Panoramakamera.

Father Crowley Overlook // Death Valley NP // Horizon 202 // Ilford Delta 100

Kurvenreich führte die Straße vom Aussichtspunkt hinunter ins Tal und von dort kerzengerade auf den Towne Pass zu. An der Tankstelle nochmal volltanken und Wasservorräte checken, denn heute würde es ernst werden. Kurz nach der Tankstelle hielten wir noch einmal zum Fotografieren, um die gefühlt endlos gerade Straße zu dokumentieren.

Richtung Towne Pass // Death Valley NP // Horizon 202 // Ilford Delta 100

Nach dem Towne Pass zeigte sich, was man sich unter dem Begriff “Death Valley” vorstellt: totes Land, Steine, Salzwüste. Absolut lebensfeindlich bei sengender Hitze. Wir fuhren weiter bis ans Badwater Bassin, dem tiefsten Landpunkt auf der Erde (–85,5 Meter). Vom Parkplatz aus machten wir uns bei 47°C Lufttemperatur auf in die Salzwüste, „bewaffnet“ mit Kamera und einem Liter Wasser pro Person. Der weiße Boden reflektiert Sonne und Hitze. Es ist so heiß, dass der Körper die ersten Minuten das Schwitzen vergisst. Die insgesamt ca. 3,5 Kilometer hin und zurück werdem zur Tortur. Auf den letzten Metern wird das Wasser leer, und man will nur noch ins Auto mit der kühlenden Klimaanlage. Wem jetzt noch nicht klar ist, warum das Death Valley heißt… naja 😉 Im Auto erstmal noch einen Liter Wasser nachkippen, und dann ging die Reise weiter über den Artist Drive, entlang von Felsformationen und Erden, die durch verschiedene Erze die unterschiedlichsten Farben haben. Auch hier gleicht alles einer Marslandschaft, und es ist nicht wirklich kühler. Danach geht es über den nächsten Pass hinaus aus dem Death Valley. Nach einigen Meilen passieren wir die „Grenze“ nach Nevada. Nach ein paar weiteren Meilen Rast im Amargosa Valley an einer Raststation, gleich neben dem “Area 51 Alien Center” am Highway 95. Der wird uns weiter bis Las Vegas bringen. Dort wechseln wir auf die Route 15. Über einen kurzen Anschnitt von Arizona nach Utah gelangen wir zu unserer Unterkunft in Springdale am Fuße des Zion Nationalparks.

07.08. Zion & Bryce

Da wir am Abend schon bei Dunkelheit ankamen, war uns nicht so richtig bewusst, dass wir eigentlich schon im Zion Valley sind. Die Aussicht von der Unterkunft aus war schon traumhaft! Wir fuhren hoch an den Nationalpark, wo noch im Talgrund die Buslinie abzweigt, die uns in den Canyon bringt – hier darf man mit dem eigenen PKW nicht hineinfahren. Wir liefen von der letzten Haltestelle an den Anfang der “Narrows” und wieder zurück. In der Mitte des Canyons stiegen wir abermals aus dem Bus und liefen wieder Richtung der nächsten Haltestelle. Immer wieder bieten sich traumhafte Aussichten auf die Felsstrukturen, und auch einiges an Wildtieren ist zu sehen. Der ganze Canyon ist beeindruckend, und jetzt am Morgen sind die Temperaturen noch recht angenehm.

 

Wista 4×5 Field // Ilford HP5 Plus // Zion Canyon // Blick zum Angles Landing Trail

Mit dem Auto fuhren wir ganz hinauf und oben durch den Tunnel. Dort parkten wir und liefen nochmal die zwei Kilometer zum Aussichtspunkt “Canyon Overlook”. Der Pfad ist teilweise anstrengend, und hier war es auch wieder sehr sehr warm. Doch die Aussicht über das Tal entschädigt in jedem Fall für die Anstrengung!

Wieder am Auto angekommen, folgten wir der Straße bis zum Highway 89, den wir in nördlicher Richtung weiterfuhren. Am Nachmittag erreichten wir Bryce. Hier gab es erstmal eine Mahlzeit. Frisch gestärkt machten wir uns mit dem Auto auf den Weg in den Bryce Canyon NP. Die vielen Aussichtspunkte entlang der Straße eröffnen immer wieder beeindruckende Ausblicke auf die orangeroten Felsformationen.

 

Sunsetpoint // Bryce Canyon NP // Wista 4×5 Field // Fuji Acros 100

 

Sunsetpoint // Bryce Canyon NP // Wista 4×5 Field // Kodak Portra 400

08.08. Da tritt mich ein Pferd

Bald am Morgen fuhren wir los, um abends nicht zu spät am Grand Canyon zu sein. Frühstück gab es am Highway 89 in Orderville bei “German Bakery & Restaurant” … Ihr glaubt gar nicht, wie lecker die deutschen Backwaren sind, wenn man fast zwei Wochen lange nur extrem übersüßte Sachen zum Frühstück gegessen hat!

Nach einiger Fahrzeit erreichten wir den “Glen Canyon Dam”. Hier gibt es eine tolle Aussicht auf das imposante Bauwerk und ein Besucherzentrum, das viel über den Staudamm und die Stromgewinnung zeigt.

 

Glen Canyon Dam // Page // Horizon 202 // Ilford Delta 100

 

Glen Canyon Dam // Page // Horizon 202 // Ilford Delta 100

 

Glen Canyon Dam // Page // Horizon 202 // Ilford Delta 100

Weiter zum Horseshoe Bend, einer Schleife des Colorado River. Die Aussicht ist beeindruckend, der Fußweg dorthin aber recht hart. Wieder war es unglaublich heiß, auf sandigem Boden geht es bergauf und bergab. Man steht direkt oberhalb des Flusses, und selbst mit dem 90mm Superangulon auf der 4×5“ ist es fast unmöglich, die Schleife komplett abzubilden. Natürlich lag die Panoramakamera im Auto. Als kleine „Trübung“ empfanden wir, dass außer uns noch weitere gefühlt 3000 Leuten anwesend waren. Die Menschenmassen ähnelten eher einem Jahrmarkt als einem Ort in der Wüste.

Horseshoebend // Page // Wista 4×5 Field // Fuji Acros 100

 

Horseshoebend // Page // Wista 4×5 Field // Kodak Portra 400

Am Abend kamen wir dann am Grand Canyon an, der uns anfangs nicht so aus den Socken haute. Wahrscheinlich lag es an der an diesem Tag doch recht anstrengenden Fahrt. Bei “The Arizona Room” gab es dann noch Spareribs. Das Restaurant befindet sich direkt an der Kante des Canyons in der Nähe der Bahnstation in Grand Canyon Village.

09.08. Doch Grand

Am nächsten Morgen beschlossen wir eine Wanderung an der Kante des Canyon entlang zu machen. Mit dem Bus fuhren wir bis zum Hermit’s Rest Viewpoint. Von dort liefen wir in Richtung Grand Canyon Village. Unterwegs boten sich nahezu ununterbrochen grandiose Aussichten – unser Eindruck vom Grand Canyon änderte sich rapide! Zum Grand Canyon möchte ich eigentlich gar nicht viel schreiben und eher die Bilder wirken lassen 😉

 

South Rim // Grand Canyon NP // Horizon 202 // Ilford Delta 100

 

South Rim // Grand Canyon NP // Horizon 202 // Ilford Delta 100

 

South Rim // Grand Canyon NP // Horizon 202 // Ilford Delta 100

 

Die Truppe // South Rim // Grand Canyon NP // Horizon 202 // Ilford Delta 100

Als wir am Abend wieder zurück im Village waren, fuhr gerade der Zug aus Williams ein. Er wurde von einer riesigen Diesellokomotive gezogen.

Grand Canyon Railroad // Minolta Dynax 7 // Fuji Provia 100F // Crop

10.08. Bunt und Schrill

Am Morgen ging es früh raus, kurz vor 5 Uhr standen wir auf. Wir wollten einfach noch etwas mehr Zeit in Las Vegas haben. Auf dem Weg in die „Stadt der Spiele“ hielten wir noch am Hover Damm. Wahrlich ein imposantes Bauwerk!

 

// Minolta Dynax 7 // Fuji Provia 100F

 

// Minolta Dynax 7 // Fuji Provia 100F

 

// Minolta Dynax 7 // Fuji Provia 100F

Angekommen in Vegas machten wir einen Rundgang am Strip, dummerweise ohne Kamera. So kommt es, dass ich kein einziges Foto von Vegas habe. Aber wie heißt es immer: Was in Vegas ist, bleibt in Vegas 😉

11.08. Und Tschüss

Heimflug // Minolta Dynax 7 // Fuji Provia 100F

 

Fazit:

Kurz und knapp: Eine grandiose Reise, die man schwer in Bilder oder Worte fassen kann! Wir haben in den zwei Wochen ca. 3600km zurückgelegt. Wir waren an Orten, an denen weit und breit kein Mensch war, aber auch in Städten mit Menschenmassen. Wir durften unzählige Eindrücke sammeln – von der Natur, aber auch den Menschen, die hier leben.

Wir haben Sonnenauf- und -untergänge genießen dürfen. Wir erlebten die kalte feuchte Luft in der San Francisco Bay und die sengende Hitze der Wüste. Wir fuhren die kurvige, in den Felsen gehaune Strecke am Highway 1 entlang der Küste und die endlos geraden Straßen in der Wüste. Wir sahen gefühlte Ewigkeiten kein anderes Auto oder steckten im Verkehrschaos von San Franciso und L.A. – in jedem Fall eine Reise der Kontraste!

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Nach ein paar Jahren Digitaltechnik, begann ich mich für die analoge Fotografie zu interessieren. Ich spezialisierte mich auf den analogen Schwarz-Weiß-Prozess, der auch aktuell meinen Schwerpunkt bildet. Hauptsächlich arbeite ich Mittelformat mit der Mamiya RB67 Pro SD und der Mamiya 645 Super, nutze aber auch eine 4×5 Inch Großformatkamera und diverse Minolta Kleinbildkameras. An der analogen Schwarz-Weiß-Fotografie reizt mich einerseits die Reduktion auf das Wesentliche, sowie die andererseits schier unendlichen Möglichkeiten die der Prozess bietet. Wenn ich in Farbe arbeite so fällt meine Wahl immer mehr auf Diafilm.