Abgelaufenen Diafilm richtig nutzen

Hinweise zu Belichtung und Motivwahl bei der Benutzung abelaufener Farbumkehrfilme.

Grundsätzliches

Wer Freude an abgelaufenem Farbumkehrfilm der auch als solcher im E-6 Prozess entwickelt werden soll haben möchte, der sollte bei Beschaffung und Belichtung solchen Materials einige einfache Hinweise im Hinterkopf behalten.

Prinzipiell ist es empfehlenswert auf den Kauf von einzelnen Rollen abgelaufenen Films zu verzichten, da hier das Risiko einen komplett unbrauchbaren Film zu bekommen nicht kalkulierbar ist, bzw. die Verwendung abhängig vom Verhalten des Films nicht vorher abzuschätzen ist. Nach Möglichkeit sollten mindestens 2 Rollen des Materials vorhanden sein, damit eine zum Test benutzt werden kann – So ist zumindest gewährleistet, dass man die zweite oder dritte Rolle gezielter einsetzen kann. Grundsätzlich ist aber beim Kauf von abgelaufenem Film darauf zu achten, sich nicht über den Tisch ziehen zu lassen – Dies ist allerdings ein anderes Thema das gesonderter Aufmerksamkeit bedarf.

Agfa CT 100i (135) | abgel. 1997 | E.I. 100

Belichtung

Oftmals heißt es zur Verwendung abgelaufenen Filmmaterials pauschal: Eine Blende Überbelichtung pro vergangenes Jahrzehnt. Wer dies allerdings als allgemeingültige Formel zur Belichtung aller abgelaufenen Filmtypen nutzt, der dürfte bei abgelaufenem Farbumkehrfilm schnell an die Grenzen der persönlichen Resignation stoßen. Der Leitsatz „Eine Blende pro Jahrzehnt“, ist eigentlich nur für Farbnegativfilm anwendbar; bei Diafilm führt die Anwendung dieser „Regel“ zu Überbelichtung und dadurch zu einem völlig transparenten Dia.

Diafilm darf keinesfalls überbelichtet werden. Über diese Tatsache muss man sich absolut im Klaren sein. Bei allen Diafilmen / Umkehrfilmen führt Überbelichtung zu einer Transparenz des fertigen Bildes. Bei 1-2 Blenden Überbelichtung verliert sich nahezu alle Bildinformation; dies ist durch die Natur des Umkehrprozesses bedingt.

Auch abgelaufener Farbumkehrfilm sollte deshalb immer auf Nennempfindlichkeit belichtet werden. So geht man in den allermeisten Fällen zumindest sicher ein Bild mit einigermaßen normalen Dichten zu erhalten

wegen Überbelichtung fast transparent | Ektachrome 100HC (120) | abgel. 07/2003 | E.I. 80

 

wegen Überbelichtung fast transparent | Ektachrome 100HC (120) | abgel. 07/2003 | E.I. 80

Motivwahl

Bei der Verwendung abgelaufener Diafilme bietet es sich an die Bildmotive auf den Film abzustimmen. Dies geht freilich nur, wenn mindestens zwei oder mehrere Rollen des Films vorhanden sind, damit anhand einer Rolle getestet werden kann, wie sich der Film in verschiedenen Situationen verhält. So kann beispielsweise ermittelt werden, zu welcher Farbverschiebung der Film neigt und wie ausgeprägt diese ist.

Des Weiteren lässt eine kurze Belichtungsreihe +/- 1/3 Blenden ausgehend von der Nennempfindlichkeit Schlüsse über den Belichtungsspielraum zu und erlaubt dem Anwender so besser abschätzen zu können in welchen Licht/Kontrastsituationen der Film eher nicht verwendet werden sollte. Dies in Kombination mit dem Wissen über die Schwere der Farbverschiebung des Films bietet nun die Chance, den Film gezielt einzusetzen und so farblich passende Motive noch mehr hervorzuheben.

Ektachrome 200 (120)| abgel. 06/1978 | E.I. 200

Ektachrome 200 (120)| abgel. 06/1978 | E.I. 200

Ektachrome 200 (120)| abgel. 06/1978 | E.I. 200

Ektachrome 200 (120)| abgel. 06/1978 | E.I. 200

Praktische Anwendung

Film: Fuji Sensia 100, abgel. 03/1996
Kamera: Canon EOS 1
Objektiv: EF 24-70 2.8 L

In einer (nicht Fotografiebezogenen) Facebookgruppe wurden vor kurzem 5 Sensia 100 Amateurfilme mit Ablaufdatum März 1996, die in einer Schublade gefunden worden waren zur kostenlosen Abholung angeboten. Die Lagerung der Filme über die letzten zwei Jahrzehnte schien also nicht gerade optimal und ließ mich bereits einen recht ausgeprägten Farbstich vermuten. Zusätzlich zu den Sensias bekam ich auch noch 3 ebenfalls Ende der 1990er Jahre abgelaufene Agfa CT 100i Farbdiafilme dazu.

Testfilm | Fuji Sensia 100 | abgel. 03/1996 |E.I. 100

Testfilm | Fuji Sensia 100 | abgel. 03/1996 |E.I. 100

Testfilm | Fuji Sensia 100 | abgel. 03/1996 |E.I. 100

Testfilm | Fuji Sensia 100 | abgel. 03/1996 |E.I. 100

Nach dem wie oben beschriebenen Vorgehen bestätigte sich mein Verdacht bezüglich des ausgeprägten Farbstiches: Der Film produzierte nach wie vor satte, jedoch stark ins Magenta gekippte Farben und funktionierte am Besten mit Bildmotiven mit mittlerem bis geringen Motivkontrast.

Basierend auf den durch den Test einer Rolle gewonnenen Erkenntnissen über das Verhalten des Films beschloss ich, den Film an einem sonnigen Abend während des Sonnenuntergangs und kurz danach zu verschießen, um die sowieso rötlichen Farben einer solchen Lichtsituation noch weiter zu verstärken und so den Film gezielt einzusetzen:

Bewusst eingesetzt | Fuji Sensia 100 | abgel. 03/1996 | E.I. 100

Bewusst eingesetzt | Fuji Sensia 100 | abgel. 03/1996 | E.I. 100

Bewusst eingesetzt | Fuji Sensia 100 | abgel. 03/1996 | E.I. 100

Bewusst eingesetzt | Fuji Sensia 100 | abgel. 03/1996 | E.I. 100

Bewusst eingesetzt | Fuji Sensia 100 | abgel. 03/1996 | E.I. 100

Bewusst eingesetzt | Fuji Sensia 100 | abgel. 03/1996 | E.I. 100

Bewusst eingesetzt | Fuji Sensia 100 | abgel. 03/1996 | E.I. 100

Bewusst eingesetzt | Fuji Sensia 100 | abgel. 03/1996 | E.I. 100

Bewusst eingesetzt | Fuji Sensia 100 | abgel. 03/1996 | E.I. 100

Bewusst eingesetzt | Fuji Sensia 100 | abgel. 03/1996 | E.I. 100

Bewusst eingesetzt | Fuji Sensia 100 | abgel. 03/1996 | E.I. 100

 

Abschließende Gedanken

Manchmal kann es natürlich aber auch passieren, dass abgelaufener Diafilm schlicht nichts mehr taugt und die resultierenden Bilder ein Fall für die Tonne sind. Davon sollte man allerdings nicht enttäuscht sein, denn wer auf abgelaufenem Film fotografiert muss mit Komplikationen rechnen.

Wer keine Überraschungen mag, dem sei angeraten frischen Film zu nutzen.

unbrauchbar | Agfa CT100i | abgel. 1997 | E.I. 100

unbrauchbar | Agfa CT100i | abgel. 1997 | E.I. 100

unbrauchbar | Agfa CT100i | abgel. 1997 | E.I. 100

 

Ein Artikel von Ludwig Hagelstein

ludwig-hagelstein.de

Instagram

Twitter