Menschen vor der Kamera: Melanie stellt sich vor…

Mein Name ist Melanie Joan und ich möchte mich gerne hier auf APHOG Next vorstellen.

Ich bin 22 Jahre alt, studiere Physik und stehe manchmal vor der Kamera. Das hierbei das
Wort ‚Model‘ nicht genutzt wird ist Absicht, da ich mich mit diesem Wort einfach nicht
identifiziere. Ich bin auch nicht wirklich in der Photo-Szene aktiv oder wirklich präsent.
Ich shoote auch meist nur mit Menschen, die mich inspirieren oder einfach neugierig
machen und wo ich weiß, dass man sich sowohl auf der zwischenmenschlichen Ebene
als auch in der Arbeitsweise gut versteht. Selten shoote ich mit neuen Photographen,
da mein Studium mir meist sehr wenig bis gar keine Zeit für dieses Hobby gibt.


Bild von Dirk Haas: www.dirkhaas.com

Die Faszination an der Photographie und der damit verbundenen Umsetzung von Ideen
ist dadurch erklärbar, dass ich einerseits den Prozess des Bildes, d.h. die Vorbereitung,
der Shoot und ggf. die Bildauswahl, sehr spannend finde und andererseits auch die
Atmosphäre, die man während des Prozesses mit dem Photographen hat, genieße. Man
teilt die gleiche Faszination und Passion, gibt ihm Raum. Zudem baut man sich auch
eine zwischenmenschliche Beziehung auf, wodurch auch eine Vertrauensbasis geschaffen
wird. Für mich ist das das wichtigste an einem Shooting, denn wenn man keine Vertrauens-
basis aufbaut oder aber auch nicht weiß wie der andere tickt, dann kann der Prozess hinter
einem Bild nicht richtig stattfinden.


Bilder von Han Borger: www.hanborger.viewbook.com

Für mich ist ein Bild das Einfangen eines Momentes, das sieht glaube ich auch jeder so.
Wenn man ein Shooting verabredet und dort Ideen umsetzt, fängt man dabei auch
gezwungenermaßen den Moment ein, in dem sich der Charakter desjenigen vor der
Kamera und die Sichtweise des Photographen treffen. Wenn dort also keine richtige
Basis aufgebaut wird, so wird sich immer etwas im Bild finden, was den Betrachter stört.
Ich kann beispielsweise mit keinem Photographen arbeiten, der sich nicht auf mich ein-
lässt. Damit ist gemeint, dass er auf der einen Seite meine Vorstellungen nicht wirklich
berücksichtigt (z.B. keine Kritik oder dergleichen von mir annimmt, wenn ich mich mit
dem Bild nicht identifizieren kann) und auf der anderen Seite meinen Charakter nicht
kennen lernen möchte, wodurch er auch gehemmt ist, ihn auf dem Bild einzufangen.


Bild von Han Borger: www.hanborger.viewbook.com

Ich selber habe nach vielen Shootings gemerkt, dass ich im Sensual-Bereich am sichersten
und auch am liebsten shoote. Dort fühle ich mich am meisten dargestellt und verwirklicht.
Dabei habe ich eine große Vorliebe für schwarz-weiß Photos, da sich dort am ehesten auf
das reine Bildmotiv konzentriert wird. Durch den Entzug der Farbe, wird eine große ablenk-
ende Komponente entfernt. Ab und an sehe ich aber auch, dass bei einer guten Umsetzung
die Farbe eine unterstützende Wirkung auf das Bildmotiv hat. Allerdings ist dies sehr schwer
umzusetzen, da die Farbkomposition eine wichtige Rolle dabei spielt.


Bild von Dirk Haas: www.dirkhaas.com

Warum mich die analoge Photographie sehr fasziniert ist das das Einfangen des Momentes
vorerst ein Geheimnis bleibt. Man muss sich ganz auf die geschaffene Basis verlassen und
kann nicht sofort Eingreifen und etwas verändern. Dabei ist natürlich bei einem Polaroid
das Geheimnis nach ein paar Minuten gelüftet, wobei bei einer Filmaufnahme dieser bis zum
Moment des Entwickelns nicht preisgegeben wird. Ich finde das unheimlich spannend und
zeigt mir noch ein Stück mehr meinen Charakter in den Bildern. Neben diesem Aspekt ist
der Stil des Resultates auch ein Grund, warum ich analog so gerne mag.


Bild von Dirk Haas: www.dirkhaas.com