Gut Ding braucht Weile: Basics der Standentwicklung

Glaubt man manchen alten Hasen, muss man bei der Entwicklung von Schwarz-/Weiß-Filmen unglaublich vieles beachten und „richtig machen“, um gute Ergebnisse zu erzielen. Wer darauf keine Lust hat, oder (noch) nicht so genau arbeiten kann, der kann auch drauf pfeifen und es mit der Standentwicklung probieren.

Ohne Titel 4

Der Name beschreibt es schon ganz gut: Bei der Standentwicklung werden Film und Entwickler nicht in regelmäßigen Abständen gekippt, sondern einfach „stehen gelassen“. Das führt zwar zu erheblich längeren Entwicklungszeiten, da hierbei der Film nicht immer wieder mit frischem Entwickler versorgt wird, wie es beim Kippen passiert. Man braucht also Geduld.

Der Vorteil, den die meisten Anwender anstreben dürften, ist, dass auch Filme mit hoher ISO-Zahl bei einer so langsamen Entwicklung relativ feinkörnig auflösen. Das so genannte Bild-Korn reduziert sich so stark, dass auch deutliche größere Vergrößerungen oder Drucke möglich werden.Außerdem kann diese Art der Entwicklung so manche Fehlbelichtung ausgleichen. Ideal also für Aufnahmen, bei denen du die Belichtungszeiten schätzen musstest. Der Grund, aus dem ich die Standentwicklung nutze, ist der Aspekt, nicht zwischen Kontrast und Grau-Umfang wählen zu müssen. Bei vielen Entwickler/Film-Kombinationen, die viel Kontrast bieten, also helles Weiß und tief schwarzes Schwarz bieten, einen geringeren Grau-Umfang haben, also weniger Graustufen zwischen Schwarz und Weiß bieten.

Fomapan 400 // Rodinal 1+100 // 2h (zu Beginn 2x gekippt, keine weitere Agitation) Fomapan 400 (9×12) // Rodinal 1+100 // 2h

Bei so vielen Vorzügen gibt es natürlich auch Nachteile, mal abgesehen davon, wie lange es dauert. Der Film muss gründlich vorgewässert werden, damit die Sensibilisierungsstoffe aus der Emulsion entfernt werden. Diese Würden sonst mit dem Entwickler reagieren und die Entwicklung verderben. Allgemein muss das ganze Equipment sehr sauber sein!

Leider funktioniert die Standentwicklung auch nur mit klassischen Emulsionen, nicht mit modernen, wie zB. bei Kodak T-Max, Ilford Delta oder Fuji Neopan. Solche Filme reagieren nämlich mit sehr starken Korn und dem so genannten Halo-Effekt. Was nach Videospiel klingt, bezeichnet das Ausstrahlen von hellen Bildbereichen in benachbarte dunkle Partien. Aber auch das kann natürlich als gewünschter Effekt genutzt werden.

Bist du mit der Entwicklung fertig, musst du zudem sehr vorsichtig sein. Durch die Lange Dauer im alkalischen Entwickler wird die Emulsion noch empfindlicher als bei der normalen Entwicklung.

Vielleicht hast du ja einen Film, bei dem es nicht so drauf ankommt und probierst es einfach mal aus. Bei Fragen stehen wir Dir natürlich gern zur Verfügung, frag einfach, wenn es Probleme geben sollte.